24. November 2013 | Posted in:Allgemein

In den letzten 10 Tagen passierten derart viele Dinge, dass ich schon gar nicht mehr weiß, womit ich anfangen soll und das meiste wohl leider in Vergessenheit gerät, ehe ich es überhaupt zum Bloggen schaffe.

Mittlerweile befinde ich mich jedenfalls in El Salvadors Hauptstadt San Salvador und bin hier recht glücklich – Entgegen den Saunatemperaturen in Leon/Nicaragua ist es hier super erträgliche und wohlfühlende 28 Grad warm! Mit einer Fläche von 21.000 qkm ist El Salvador etwas kleiner als Hessen (21k qkm) und mit seinen 7,3 Mio. Einwohnern das kleinste aber dafür sehr dicht besiedelte Land in Zentralamerika.


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Im Ballungsraum San Salvador leben rund 2.4 Mio. Menschen. Die Hauptstadt hat den zweifelhaften Ruf, eine der Städte mit der höchsten Mordrate der Welt zu sein, in der wie auch in Guatemala und Honduras insbesondere die Gang-Kriminalität dominiert. Von den Nicaraguanern und Touristen wurde ich jedenfalls bereits von der organisierten Kriminalität und Überfälle auf die Reisebusse gewarnt. Trotzdem erlebe ich es hier viel harmonischer als erwartet und fühle mich hier richtig wohl!
Eigentlich hätte es in Nicaragua noch viel zu sehen und erleben gehabt, doch um am 28. November rechtzeitig ein Willkommensfest am guatemaltekischen Flughafen für meinen Deutschlandbesuch zu organisieren, habe ich mich bewusst etwas früher auf den Weg gemacht.

Wie immer kam jedoch vieles unverhofft und so brachte mich die erste Zwischenetappe nach den vielen, anstrengenden nicaraguanischen Vulkan-Touren nun nach El Salvador.

Nachdem ich am Vortag der Reise hitzebedingt nicht schlafen konnte und so bis Mitternacht in Managua (Nicaraguas Hauptstadt) herumturnte, verschlief ich in der Folge fast die Abfahrt meines Busses. Mit dem Taxi schaffte ich es um 4 Uhr nachts gerade noch rechtzeitig zum Terminal und freute mich über die erholsame, zehnstündige Fahrt im klimatisierten Bus. Mit mehreren Essenspausen, netten Filmen und einer beeindruckend tollen Landschaft, vergingen die 10-Stunden-Fahrt (für schlappe 25 Euronen) wie im Flug. Für gerade mal einen Euro lies ich mir am späten Vorabend in der Universität Managuas kurz vor Ladenschluss in einem der gefühlt Zwanzigtausend Copyshops extra noch zwei Spanisch-Lehrbücher kopieren, um die lange Fahrt zudem für etwas Lernerfolg zu nutzen.

EL Salvador - Die Polizei greift durch und schnappt sich vier Übeltäter vor dem Metrocentro

EL Salvador – Die Polizei greift durch und schnappt sich vier Übeltäter vor dem Metrocentro

Abenteuerliche Raubüberfälle blieben auf der Fahrt hingegen auf der Strecke. Zwar wurde der Bus mehrmals angehalten und ich war schon „schadenfroh“ auf die dummen Gesichter gespannt, da sich alle meine Wertsachen im sicheren Kofferraum befanden. Stattdessen standen im Minutenabstand jedoch lediglich unzählige Polizeikontrollposten herum, die uns eine sichere Reise ermöglichten.
Auch die beiden Grenzübertritte von Nicaragua nach Honduras und weiter nach El Salvador waren recht lustig und für mich quasi zugleich eine kostenlose Spanisch-Lektion, da die Zöllner super freundlich aber auch sehr neugierig waren. So standen sie kumpelhaft neben jedem Passagier und fragten sehr lange und interessiert unzählige Dinge. Bereits über die smalltalk-mäßige Einleitung mit prompten Gedutze „Ahhh!!! Matthias ?!?!!! Wie geht’s?! Besuchst du uns das erste Mal? …“ musste ich erst mal grinsen. Danach entdeckte der Zöllner auch noch mein frisch kopiertes Spanisch-Buch und fragte mich gleich mal die ersten Lektionen ab.
Einem amerikanischen Passagier erging es jedoch schlechter. Als wir bei einer Buskontrolle alle den Bus verließen, ließ er leichtsinnigerweise seinen Geldbeutel mit Bargeld zurück. Das schienen die Polizisten wohl als Trinkgeld zu betrachten und 50$ fehlten anschließend.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir schließlich in San Salvador an. Von der Hauptstadt El Salvadors war ich von Anfang an begeistert! Die Gebäude waren sehr stylisch/modern und luxoriös, die Autofahrer kamen mir sehr geduldig und der Straßenverkehr sehr geordnet und ruhig vor, alles erschien sehr gepflegt und die Personen auf der Straße waren sehr hilfsbereit und freundlich. Insgesamt wirkte San Salvador sehr reich und US-amerikanisch, jedoch mit lateinamerikansichem Charm.
Entgegen der vielen anderslautenden Reiseinformationen kam es mir nirgendswo gefährlich vor und so spazierte ich mit meinem Gepäck gemütlich durch die Stadt, um meine Unterkunft zu suchen. Vorbei am schwerbewachten Präsidentenpalast im noblen Stadtviertel San Bendito merkte ich jedoch schnell, dass es anderswo wesentlich ärmer zugehen muss. Am nächsten Tag erkundete ich die Stadt und war überrascht über den krassen Unterschied meiner Wohngegend und das typisch lateinamerikanische Zentrum mit riesen großem Markt. Hier sah die Welt wieder ganz anders aus und überall wuselten unzählige Leute. Der zähe Stadtverkehr war jedoch eine richtige Katastrophe und auch das viele Gehupe half nichts im stockenden, alltäglichen Stau. Da die Busse gerade mal wenige Cent kosten, setzte ich mich ohne Plan zufällig in irgendeinen Bus und war gespannt, wo ich landen würde. Kombiniert mit vielen, kilometerlangen Abschnitten zu Fuß, war es mir gegen 23h irgendwann zu bunt und ich schnappte mir für heruntergehandelte 5$ ein Taxi nach Hause.

EL SALVADOR / La Puerta del Diabolo - Ein Gruppenfoto mit Studenten aus San Salvador

EL SALVADOR / La Puerta del Diabolo – Ein Gruppenfoto mit Studenten aus San Salvador

Mit dem Gefühl nach diesem langen Tag nun alles gesehen zu haben, wollte ich gerade an der Rezeption auschecken und nach Guatemala weiterreisen, als ich von einem Mädel aus Malaysia angesprochen wurde. Sie hatte sich zwei Reiseziele in der näheren Umgebung herausgesucht und fragte mich, ob ich sie nicht begleiten wolle. Warum auch nicht?! Planlos brachte ich mein Gepäck wieder aufs Zimmer, verlängerte um eine Nacht und die Tour begann. Die Fahrt zum Puerta del Diabolo (Tor des Teufels) war wunderschön und beinhaltete einen tollen Panoramablick auf San Salvador. Bei den „teuflischen“ Felsen angekommen, trafen wir in einer Höhle auf eine Gruppe junger Architekturstudenten, die uns auf der späteren Tour noch mehrmals begegeneten und in dieser „Touristenarmen Gegend“ fasziniert von dem exotischen Besuch aus Europa und Asien.

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