Weihnachtsmarkt, Schneeballschlacht und Schlittschuhlaufen in Guatemala City

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Juegos de Nieve. Schneespiele und Schneespaß in Zentralamerika

25. November 2013 | Posted in Capitals, Cities, GUATEMALA, News, NORTH AMERICA | By

Als ich mich heute früh in San Salvador mit dem Bus auf den Weg machte, hatte ich noch keine Ahnung, was mich im benachbarten Guatemala erwarten würde. Um 5 Uhr morgens hatte ich immerhin nochmal die Gelegenheit, San Salvador im schimmernden Sonnenaufgang bewundern zu dürfen, ehe die rasante Fahrt durch die schöne und gebirgige Landschaft begann.

EL SALVADOR / San Salvador - Auf dem Weg zum Busterminal am frühen morgen im Stadtviertel San Benito

EL SALVADOR / San Salvador – Auf dem Weg zum Busterminal am frühen morgen im Stadtviertel San Benito

Auf der kurvigen Strecke wurde man in Kombination mit dem ambitionierten Fahrstiel des Busfahrers derart hin- und hergeschleudert, dass mein Vordermann beim Schlafen sogar um Harresbreite auf dem Boden gelandet wäre. So wurde ich trotz kurzer Nacht wach gehalten und war glücklich, die bewundernswerte Umgebung auf der fünfstündigen Fahrt nicht verpasst zu haben.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - typischer Bus in Guatemala

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – typischer Bus in Guatemala

Obwohl mir eine deutsche und amerikanische Globtrotterin (beide sind bereits zwischen 2 und 10 Jahren auf Weltreise) prophezeite, mich in Guatemalas Hauptstadt schnell langweilen zu werden, bin ich vom Gegenteil überzeugt! Bereits die Anfahrt mit dem Bus ermöglichte einen atemberaubenden Panoramablick über die gesamte, sehr weitläufige Stadt und gab mir schon einen tollen Vorgeschmack auf die Erlebnisse der nächsten Tage. Wie auch in San Salvador kamen wir zunächst an den luxuriösen Wohngegenden und Villen vorbei. Mit der Erfahrung aus San Salvador lies ich mich davon jedoch nicht mehr so schnell blenden und war diesmal weniger überrascht, dass das Stadtbild im Zentrum ein anderes (typisch lateinamerikanisches) war. Trotzdem fühlte ich mich bereits bei der Anreise wie auf einer Tour durch einen riesigen Freizeitpark, da vieles spielerisch bunt und verschnörkelt wirkte.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Zwar ist es etwas bewölkt, doch pessimistischerweise gleich so viele Regenschirme aufzuhängen ist eindeutig übertrieben

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Zwar ist es etwas bewölkt, doch pessimistischerweise gleich so viele Regenschirme aufzuhängen ist eindeutig übertrieben

Am Busterminal angekommen war ich mittlerweile routinierter und suchte gleich die benachbarte Tankstelle auf, um mir ein paar guatemaltekische Quetzals (nichts zu Essen! So lautet nur die Währung) zu besorgen und zu wechseln. Während mein Vordermann in 100-GTQ-Schritten mehrmals Geld abhob, war ich froh, dass die Begrenzung scheinbar nur für seine Visa-Karte galt und nicht etwa am Geldautomat lag. Meine 100er-Banknoten (entspricht 12,50 US$) lies ich auch gleich kleiner wechseln, ehe der Gastwirt wie in San Salvador wieder die gesamte Nachbarschaft nach Wechselgeld abklappern muss. Mit einem dicken Bündel Geld (dummerweise zusammen getackert! Wer macht denn so etwas?!) zwängte ich mich in den vollen Bus und war erstaunt über den reibungslosen Ablauf und das übersichtliche Verkehrssystem. Während die Busfahrt in San Salvador regelmäßig eine nervige und lange Prozesdur (eine Stunde um vom gehobenen Wohnviertel San Benito ins Stadtzentrum zu kommen) war, ging es hier mit extra Busspuren zügig voran. Im Stadtzentrum angekommen, war auch das Hotel durch die praktische Nummerierung der Straßen und Avenidas leicht zu finden.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Da sind sie wieder: Meine Lieblingsverkäufer mit frischem Obst zum Spottpreis.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Da sind sie wieder: Meine Lieblingsverkäufer mit frischem Obst zum Spottpreis.

Gefreut habe ich mich insbesondere über die vielen Obstverkäufer und schlug an jeder Ecke erneut zu. Für gerade mal 5 Quetzals (ca. 60 Eurocent) gab es eine riesige Tüte mit frischem Obst (Ananas, Papaya, Gurken, Melonen, etc.). Nachdem mein Gepäck im Hotelzimmer verstaut war, machte ich mich daher sofort auf den Weg für ein Mittagessen.
Als ich zum zweiten mal von der gleichen Telefonverkäuferin auf ihr tolles Angebot angesprochen wurde, übte ich mein Spanisch, indem ich ihr erklärte, warum ich im Urlaub und insbesondere in Guatemala kein noch so günstiges Handy (12 Dollar mit 130 Freiminuten) benötige. Daraufhin bekam ich von ihr überraschend einen Lutscher geschenkt und sollte ihr „du hast schöne Augen“ auf deutsch übersetzen. Verwundert über die skurrile Situation, verabschiedete ich mich freundlich, um die Innenstadt zu erkunden.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Mein erster Eindruck auf der Toilette des Busbahnhofs: Selbst die Seife wird hier angekettet

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Mein erster Eindruck auf der Toilette des Busbahnhofs: Selbst die Seife wird hier angekettet

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Die Essensstände reihen sich in den Straßen eng aneinander und laden für 50 Euro-Cent zu einem herzhaften Snack ein

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Die Essensstände reihen sich in den Straßen eng aneinander und laden für 50 Euro-Cent zu einem herzhaften Snack ein

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - An den Straßenständen ist alles zu haben, was man so für den Alltag braucht...

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – An den Straßenständen ist alles zu haben, was man so für den Alltag braucht…

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - In so manchem Kleidungsgeschäft fällt die Suche nach der passenden Größe nicht besonders leicht

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – In so manchem Kleidungsgeschäft fällt die Suche nach der passenden Größe nicht besonders leicht

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Traditionelle Kleidung ist hier noch sehr verbreitet

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Traditionelle Kleidung ist hier noch sehr verbreitet

Obwohl ich nur 240 km von El Salvador aus weiterreiste, kommt mir die Kultur und das Aussehen der Einwohner hier ganz anders vor. Insbesondere habe ich das Gefühl, dass hier alle anderthalb Köpfe kleiner sind. Insbesondere die Frauen unterscheiden sich in ihrer Größe häufig nicht mehr besonders von ihren Kindern. Kinder rennen hingegen überall reichlich herum, um so manches Hausmütterchen zog gleich vier bis fünf Kinder hinter sich her. Auch stillende Mütter sitzen hier an jeder Ecke oder säugen ihr Baby sogar während dem Einkaufen oder Vorbeilaufen in der sehr lebendigen Einkaufsstraße.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Der gutgelaunte Mario verkauft den Kindern seine ominösen Pillen

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Der gutgelaunte Mario verkauft den Kindern seine ominösen Pillen

Trotz dem vielen Trubel in der kilometerlangen Shoppingmeile und Marktstraßen, geht es hier stressfreier als in deutschen Einkaufsstraßen (insb. im Vergleich zur Frankfurter My Zeil) zu und alle paar hundert Meter ziehen Entertainer ein großes Publikum an.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Der meiste Schnee ist leider bereit getaut; nur auf den Bäumen blieb noch etwas übrig...

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Der meiste Schnee ist leider bereit getaut; nur auf den Bäumen blieb noch etwas übrig…

Richtig überrascht war ich jedoch vor der Kathedrale! Hier erwartete mich unverhofft ein großer, stimmungsvoller Weihnachtsmarkt. Und erneut kam ich mir wie in einem riesigen Freizeitpark vor! Neben einer Tanzbühne mit vielen Zuschauer, einer Rundfahrt im Trecker und vielen weihnachtlich geschmückten Palmen und amerikanischen Weihnachtsliedern, war ein großes Schneeareal ein besonderes Highlight. Hier tobten sich Familien mit ihren kleinen Kindern bei einer Schneeballschlacht aus, mitten im 26 Grad warmen Guatemala.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Juegos de Nieve. Schneespiele und Schneespaß in Zentralamerika

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Juegos de Nieve. Schneespiele und Schneespaß in Zentralamerika

Auch die künstlichen Tannenbäume wurden liebevoll in weise Schneewatte eingehüllt. Ein paar Meter weiter staunte ich nicht schlecht, als ich die Eisbahn entdeckte. Mitten im Sommer (so fühlt es sich hier jedenfalls an!) zu Weihnachtsmusik mit den halbsogroßen Guatemalanern Schlittschuh zu laufen… das hätte ich heute morgen zumindest noch nicht erwartet! Und der ganze Spaß war sogar kostenlos. Nur eine ordentliche Geduld musste man aufbringen, da das organisatorische Talent eindeutig nicht zu den guatemaltekischen Stärken gehört. Während sich die Einheimischen am Rand der Eisbahn entlang taumelten, war die Eisfläche im Inneren hingegen spiegelglatt und unverbraucht.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Ein Foto mit dem Weihnachtsmann. Während es

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Ein Foto mit dem Weihnachtsmann. Während es „draußen“ 28 Grad heiß ist, trägt der bedachte Baum sogar Schnee…

GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Immerhin die Eisbahn ist recht authentisch und lädt zu einer Runde Schlittschuhlaufen vor der Catedral de Guatemala ein.

GUATEMALA / Guatemala Ciudad – Immerhin die Eisbahn ist recht authentisch und lädt zu einer Runde Schlittschuhlaufen vor der Catedral de Guatemala ein.

Bei dem starken Sonnenschein entstanden jedoch tiefe Pfützen und so wurde es für manchen Ungeübten zu einem sehr feuchten Erlebnis. Abwechslung boten weitere Hüpfburgen, Rodelbahnen und unzählig viele Essensstände. Eine Organisatorin sagte mir, dieses Event wird jedes Jahr ausgerichtet und dauert circa 30 Tage. Ein Spaß für jeden, der in der Vorweihnachtszeit hier zufällig vorbei kommen sollte!

 
1 - EL SALVADOR / San Salvador - Auf dem Weg zum Busterminal am frühen morgen im Stadtviertel San Benito
2 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Ein See inmitten der hügeligen Landschaft nahe der Grenze zu El Salvador
3 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Die farbenfrohen Busse in Guatemala
4 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Mein erster Eindruck auf der Toilette des Busbahnhofs: Selbst die Seife wird hier angekettet
5 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Zwar ist es etwas bewölkt, doch pessimistischerweise gleich so viele Regenschrime aufzuhängen ist eindeutig übertrieben
6 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Da sind sie wieder: Meine Lieblingsverkäufer mit frischem Obst zum Spottpreis.
7 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Die Chips fallen hier etwas größer aus und werden mit Guacamole beschmiert
8 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Die Essensstände reihen sich in den Straßen eng aneinander und laden für 50 Euro-Cent zu einem herzhaften Snack ein
9 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Traditionelle Kleidung ist hier noch sehr verbreitet
10 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - An den Straßenständen ist alles zu haben, was man so für den Alltag braucht...
11 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - In so manchem Kleidungsgeschäft fällt die Suche nach der passenden Größe nicht besonders leicht
12 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad
13 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad
14 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Auch die kleinen sind hier mit Hüten interessant bekleidet.
15 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Obstverkäuferinnen begegnen einem hier an jeder Ecke
16 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Iglesia de San Francisco
17 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Eine Einheimische in traditioneller Kleidung
18 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Iglesia de San Francisco
19 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Zuckerwatteverkäufer sind hier keine Seltenheit
20 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Mario verkauft den Kindern seine ominösen Pillen
21 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Edificio de Correos (Postamt)
22 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Juegos de Nieve. Schneespiele und Schneespa? in Zentralamerika
23 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Eine kleine Schneepiste auf dem Weihnachtsmarkt
24 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Mit dem Trekker über den Weihnachtsmarkt
25 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Eine große Bühne vor der Catedral de Guatemala bietet Gelegenheit zu einem Tänzchen
26 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Eine große Bühne vor der Catedral de Guatemala bietet Gelegenheit zu einem Tänzchen
27 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Der Weihnachtsmarkt gleicht eher einem großen Freizeitpark
28 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Weihnachten in Guatemala. Naja, Winterstiefel sehen anders aus und der Tannenbaum neben der Palme und bei 28 Grad bringt das heimische Weihnachtsgefühl auch nicht näher.
29 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Ein Foto mit dem Weihnachtsmann. Während es "draußen" 28 Grad heiß ist, trägt der bedachte Baum sogar Schnee...
30 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Der meiste Schnee ist leider bereit getaut; nur auf den Bäumen blieb noch etwas übrig...
31 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Auch ohne Schnee lässt es sich hier rodeln.
32 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Immerhin die Eisbahn ist recht authentisch und lädt zu einer Runde Schlittschuhlaufen vor der Catedral de Guatemala ein.
33 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Eisvergnügen im heißen Zentralamerika
34 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Die meisten Eisläufer hangeln sich jedoch bevorzugt an der Bande entlang
35 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Der Nationalpalast
36 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Streetart
37 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Streetart
38 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Hm, die Farbe reichte scheinbar nicht für beide Türen
39 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad
40 - GUATEMALA / Guatemala Ciudad - Streetart

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Zwischenstopp in El Salvador

EL Salvador - Die Polizei greift durch und schnappt sich vier Übeltäter vor dem Metrocentro

24. November 2013 | Posted in Allgemein | By

In den letzten 10 Tagen passierten derart viele Dinge, dass ich schon gar nicht mehr weiß, womit ich anfangen soll und das meiste wohl leider in Vergessenheit gerät, ehe ich es überhaupt zum Bloggen schaffe.

Mittlerweile befinde ich mich jedenfalls in El Salvadors Hauptstadt San Salvador und bin hier recht glücklich – Entgegen den Saunatemperaturen in Leon/Nicaragua ist es hier super erträgliche und wohlfühlende 28 Grad warm! Mit einer Fläche von 21.000 qkm ist El Salvador etwas kleiner als Hessen (21k qkm) und mit seinen 7,3 Mio. Einwohnern das kleinste aber dafür sehr dicht besiedelte Land in Zentralamerika.


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Im Ballungsraum San Salvador leben rund 2.4 Mio. Menschen. Die Hauptstadt hat den zweifelhaften Ruf, eine der Städte mit der höchsten Mordrate der Welt zu sein, in der wie auch in Guatemala und Honduras insbesondere die Gang-Kriminalität dominiert. Von den Nicaraguanern und Touristen wurde ich jedenfalls bereits von der organisierten Kriminalität und Überfälle auf die Reisebusse gewarnt. Trotzdem erlebe ich es hier viel harmonischer als erwartet und fühle mich hier richtig wohl!
Eigentlich hätte es in Nicaragua noch viel zu sehen und erleben gehabt, doch um am 28. November rechtzeitig ein Willkommensfest am guatemaltekischen Flughafen für meinen Deutschlandbesuch zu organisieren, habe ich mich bewusst etwas früher auf den Weg gemacht.

Wie immer kam jedoch vieles unverhofft und so brachte mich die erste Zwischenetappe nach den vielen, anstrengenden nicaraguanischen Vulkan-Touren nun nach El Salvador.

Nachdem ich am Vortag der Reise hitzebedingt nicht schlafen konnte und so bis Mitternacht in Managua (Nicaraguas Hauptstadt) herumturnte, verschlief ich in der Folge fast die Abfahrt meines Busses. Mit dem Taxi schaffte ich es um 4 Uhr nachts gerade noch rechtzeitig zum Terminal und freute mich über die erholsame, zehnstündige Fahrt im klimatisierten Bus. Mit mehreren Essenspausen, netten Filmen und einer beeindruckend tollen Landschaft, vergingen die 10-Stunden-Fahrt (für schlappe 25 Euronen) wie im Flug. Für gerade mal einen Euro lies ich mir am späten Vorabend in der Universität Managuas kurz vor Ladenschluss in einem der gefühlt Zwanzigtausend Copyshops extra noch zwei Spanisch-Lehrbücher kopieren, um die lange Fahrt zudem für etwas Lernerfolg zu nutzen.

EL Salvador - Die Polizei greift durch und schnappt sich vier Übeltäter vor dem Metrocentro

EL Salvador – Die Polizei greift durch und schnappt sich vier Übeltäter vor dem Metrocentro

Abenteuerliche Raubüberfälle blieben auf der Fahrt hingegen auf der Strecke. Zwar wurde der Bus mehrmals angehalten und ich war schon „schadenfroh“ auf die dummen Gesichter gespannt, da sich alle meine Wertsachen im sicheren Kofferraum befanden. Stattdessen standen im Minutenabstand jedoch lediglich unzählige Polizeikontrollposten herum, die uns eine sichere Reise ermöglichten.
Auch die beiden Grenzübertritte von Nicaragua nach Honduras und weiter nach El Salvador waren recht lustig und für mich quasi zugleich eine kostenlose Spanisch-Lektion, da die Zöllner super freundlich aber auch sehr neugierig waren. So standen sie kumpelhaft neben jedem Passagier und fragten sehr lange und interessiert unzählige Dinge. Bereits über die smalltalk-mäßige Einleitung mit prompten Gedutze „Ahhh!!! Matthias ?!?!!! Wie geht’s?! Besuchst du uns das erste Mal? …“ musste ich erst mal grinsen. Danach entdeckte der Zöllner auch noch mein frisch kopiertes Spanisch-Buch und fragte mich gleich mal die ersten Lektionen ab.
Einem amerikanischen Passagier erging es jedoch schlechter. Als wir bei einer Buskontrolle alle den Bus verließen, ließ er leichtsinnigerweise seinen Geldbeutel mit Bargeld zurück. Das schienen die Polizisten wohl als Trinkgeld zu betrachten und 50$ fehlten anschließend.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir schließlich in San Salvador an. Von der Hauptstadt El Salvadors war ich von Anfang an begeistert! Die Gebäude waren sehr stylisch/modern und luxoriös, die Autofahrer kamen mir sehr geduldig und der Straßenverkehr sehr geordnet und ruhig vor, alles erschien sehr gepflegt und die Personen auf der Straße waren sehr hilfsbereit und freundlich. Insgesamt wirkte San Salvador sehr reich und US-amerikanisch, jedoch mit lateinamerikansichem Charm.
Entgegen der vielen anderslautenden Reiseinformationen kam es mir nirgendswo gefährlich vor und so spazierte ich mit meinem Gepäck gemütlich durch die Stadt, um meine Unterkunft zu suchen. Vorbei am schwerbewachten Präsidentenpalast im noblen Stadtviertel San Bendito merkte ich jedoch schnell, dass es anderswo wesentlich ärmer zugehen muss. Am nächsten Tag erkundete ich die Stadt und war überrascht über den krassen Unterschied meiner Wohngegend und das typisch lateinamerikanische Zentrum mit riesen großem Markt. Hier sah die Welt wieder ganz anders aus und überall wuselten unzählige Leute. Der zähe Stadtverkehr war jedoch eine richtige Katastrophe und auch das viele Gehupe half nichts im stockenden, alltäglichen Stau. Da die Busse gerade mal wenige Cent kosten, setzte ich mich ohne Plan zufällig in irgendeinen Bus und war gespannt, wo ich landen würde. Kombiniert mit vielen, kilometerlangen Abschnitten zu Fuß, war es mir gegen 23h irgendwann zu bunt und ich schnappte mir für heruntergehandelte 5$ ein Taxi nach Hause.

EL SALVADOR / La Puerta del Diabolo - Ein Gruppenfoto mit Studenten aus San Salvador

EL SALVADOR / La Puerta del Diabolo – Ein Gruppenfoto mit Studenten aus San Salvador

Mit dem Gefühl nach diesem langen Tag nun alles gesehen zu haben, wollte ich gerade an der Rezeption auschecken und nach Guatemala weiterreisen, als ich von einem Mädel aus Malaysia angesprochen wurde. Sie hatte sich zwei Reiseziele in der näheren Umgebung herausgesucht und fragte mich, ob ich sie nicht begleiten wolle. Warum auch nicht?! Planlos brachte ich mein Gepäck wieder aufs Zimmer, verlängerte um eine Nacht und die Tour begann. Die Fahrt zum Puerta del Diabolo (Tor des Teufels) war wunderschön und beinhaltete einen tollen Panoramablick auf San Salvador. Bei den „teuflischen“ Felsen angekommen, trafen wir in einer Höhle auf eine Gruppe junger Architekturstudenten, die uns auf der späteren Tour noch mehrmals begegeneten und in dieser „Touristenarmen Gegend“ fasziniert von dem exotischen Besuch aus Europa und Asien.

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Tag 74 – Abschied von meiner Gastfamilie in Leon

12. November 2013 | Posted in News, NICARAGUA | By

Nach fünf Wochen in Nicaraguas ehemaliger Hauptstadt Leon wird es Zeit aufzubrechen und etwas Neues kennenzulernen. Der vergangene Wochenendausflug in die ca. 2 Stunden entfernte Stadt Esteli war ein richtiger Genuss. Durch die Höhenlage von 840m ü.M. waren die Temperaturen dort sehr angenehm und erträglich, während Leon wie eine finnische Dampfsauna wirkt. Ein riesen Spaß war es auch, mit Marianella zu tauschen und mich selbst hinters Steuer zu setzen. Statt mit 60kmh herumzutuckern, brachte es der Jepp dann doch noch auf 120kmh und meine Langeweile war verflogen. Aus Marianellas Idee, auf dem Beifahrersitz etwas schlafen zu können, wurde jedoch nichts, denn sie wurde sichtlich nervös und schrie dauernd etwas von Kindern, Kühen, Schlaglöchern, Unfallstatistiken, durchgezogenen Linien, Gegenverkehr und anderen Gefahren.
Auch ihre Schwiegermutter wies mich gelegentlich auf Geschwindigkeitsbegrenzungen hin und dass das nicaraguanische Gesetz und auch für Ausländer gelte. Nach einer Zeit gaben sich meine Mitfahrerinnen jedoch damit ab und ich durfte sie auch auf den weiteren Touren durch die Gegend chauffieren.

Der Ausflug nach Esteli machte mir jedoch bewusst, dass ich schnellstmöglich in eine Stadt mit angenehmeren Klima ziehen sollte. Bevor es jedoch weitergeht, werde ich zunächst die nahegelegenen Vulkane besichtigen. So buchte ich gerade eben einen 2-Tages-Trip für Nicaraguas höchsten Vulkan San Christobal (1745m). Die Empfehlung, mindestens 7 Liter Wasser mitzuschleppen, lässt nicht auf eine entspannte Bergtour hoffen. Auch die Uhrzeiten (morgen geht’s um 6 Uhr los, übermorgen um 4 Uhr nachts) sind nicht gerade zum Ausschlafen gedacht.
Trotzdem freue ich mich schon auf den Ausflug und werde am Freitag gleich die nächste 2-Tages-Tour zum Vulkan Telica (1061m) unternehmen.
Am Sonntag steht dann das Vulcano-Boarding auf dem Vulkan Cerro Negro (728m) an, ehe es am Montag weiter nach Managua – Nicaraguas Hauptstadt – geht.

Zu gern hätte ich zuvor noch zwei gute Freunde aus Wiesbaden im benachbarten Honduras besucht, die im Rahmen einer Kreuzfahrt gerade von Insel zu Insel hopsen. Doch mit deren Reisetempo durch Mexiko, Beliz und Honduras kann ich aktuell leider nicht mithalten, da die Überlandfahrten hier wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Umso mehr freue ich mich über den Besuch eines guten Freundes aus meiner Freiburger Studienzeit. Das gemeinsame Spektakel in Kolumbien/Ecuador mit meinem gestohlenen Reisepass scheint er mittlerweile vergessen zu haben und traut sich ein neues Abenteuer mit Berni in Guatemala zu! 🙂

Grund für mich, spätestens am 27. November in Guatemalas Hauptstadt zu sein. Bei den vielen Warnungen und Berichten über die organisierte Kriminalität und Banden, die sich auf das Ausrauben von Reisebussen spezialisiert haben, hoffe ich, dass mein Gepäck ebenfalls ankommen wird. Andererseits habe ich mein Notebook und meine Kamera in den vergangenen fünf Wochen nicht vermisst und reise daher mittlerweile sehr entspannt 🙂

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Tag 63 – Unser Wohnviertel steht im Rauch

NICARAGUA / LEON - Insektenbekämpfung im gesamten Wohnviertel zur Eindämmung der Dengue-Epedemie

2. November 2013 | Posted in Cities, NICARAGUA | By

NICARAGUA / LEON - Insektenbekämpfung im gesamten Wohnviertel zur Eindämmung der Dengue-Epedemie

NICARAGUA / LEON – Insektenbekämpfung im gesamten Wohnviertel zur Eindämmung der Dengue-Epedemie

Heute war eine super Gelegenheit die Nachbarschaft der gesamten „Zone“ kennenzulernen. Eigentlich wollte ich gemütlich ausschlafen, als Gastmutter Marianella hektisch an meine Tür klopfte, irgendetwas von Fuminar/Rauch und „2 Minutos“ rief und das ich meine Wertsachen packen solle. Draußen vor dem Haus stand auch bereits die gesamte Nachbarschaft mit ihren Wertsachen oder zitternden Haustieren unter dem Arm, während eine Ecke weiter ein paar Jungs mit Insektenvernichtungsspray das gesamte Wohnviertel in eine Rauchwolke einhüllten. Nachdem was ich bislang alles über die Situation und jüngste Geschichte Nicaraguas gehört habe, bezweifle ich, dass das Zeugs gesund für die Anwohner ist, doch die Eindämmung der aktuellen Dengue-Epedemie hat wohl Vorrang. Über die anhaltende Ausbreitung von Dengue in Mittelamerika berichten nicht nur die hiesigen Fernsehsender, sondern mittlerweile bereits deutsche Medien, wie gestern bspw. der Artikel auf Spiegel Online.

NICARAGUA / LEON - Insektenbekämpfung im gesamten Wohnviertel zur Eindämmung der Dengue-Epedemie

NICARAGUA / LEON – Insektenbekämpfung im gesamten Wohnviertel zur Eindämmung der Dengue-Epedemie

In Nicaragua haben sich mit der neuen Dengue-Variante wohl schon über 2000 Personen infiziert und die ersten Todesfälle wurde bereits berichtet. Im benachbarten Honduras haben sich sogar über 15 000 Menschen mit dem durch Mosquitos übertragenen Fieber angesteckt. Da es keine Impfung gegen Dengue gibt, bleibt leider nur die Prävention mittels Mosquito-Spray wie sie mit der heutigen Ausräucherung der Wohnhäuser sogar im großen Stil betrieben wurde. Obwohl ich seit dem Dengue- und Malaria-Risikogebiet Haiti auf lästige Mückensprays verzichtete, kaufte ich mir hier gestern vorsorglich doch eine neue Dose (ist hier mit gerade mal 4 Euro sogar recht billig!). Gemessen an den zahlreichen Mückenstichen, überzeugte mich die Wirkung jedoch nicht. Alternative Produkte gab es leider eh nicht. Daher fragte ich meine Spanischlehrerin neugierig, wie die Nicaraguaner mit Dengue umgehen. Auch für die Einheimischen stellt das klassische Dengue und insb. die aktuelle Dengue-Variante ein Risiko dar.

NICARAGUA / LEON - Die Nachbarschaft

NICARAGUA / LEON – Die Nachbarschaft

Statt Repellents glaubt sie jedoch, dass Mücken auch andere chemische Produkte wie Hautcreme oder Parfüm meiden. Mein Versuch mit Sonnencreme und Repellent beeindruckte die Mosquitos in meinem Haus jedoch scheinbar nicht. Ich bin gespannt, ob die heutige Nebelaktion eine Wirkung hat. In den Räumen riecht man Stunden nach dem Einräuchern immer noch das Insektenmittel. Einige Nachbarn stehen daher immer noch vor ihren Häusern herum. Stinksauer war ich allerdings drei Stunden später, als die Bande mit ihren „Nebelmaschienen“ in meinem Lieblingsrestaurant die Luft verpesteten und sich der Chemiecocktail auf meinem Essen setzte.

Daher kam Rudolphs Einladung gerade passend, gemeinsam einen Abstecher in die Stadt zu unternehmen. Der geschiedene Ehemann meiner Gastmutter besucht hier jedes Wochenende seinen Sohn. Typischerweise gibt es dann auch immer einen gemeinsamen Video-Nachmittag. Die zahlreichen DVD-Straßen-Verkaufsstände bieten dazu für nur 20 Cordoba (60 Euro-Cent) die neusten Kinofilme an. Als mir Rudolph auf der Fahrt zu seinem DVD-Verkäufer erklärte, dass er Jura-Professor für Menschenrechte an der hießigen Universität sei, konnte ich über diese Kombination (Filmpiraterie vs. Jura-Prof) nur schmunzeln. Hier in Nicaragua gibt es eben keine GEMA, GEZ & Co.

NICARAGUA / LEON - Mittagessen in der Markthalle

NICARAGUA / LEON – Mittagessen in der Markthalle

Auf dem Markt fand ich dafür zugleich die Gelegenheit, mein entgangenes Mittagessen nachzuholen, ohne erneut von den Fuzzis mit deren Chemiecocktail aus Insektenvernichtungsmittel gestört zu werden. Wieder zuhause angekommen und den Filmabend mit Spanisch-Untertitel als „Lerneinheit“ verbucht, läuft mittlerweile zum dritten Mal ein Karnevalls-Übungs-Umzug mit viel Trommelwirbel vor der Haustüre vorbei. Langweilig wird es hier nie 😉

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