6. Oktober 2013 | Posted in:Florida, News, USA

Mit dem Pool und dem Strand direkt vor der Haustüre, Fitnessraum und Sauna in der Lobby und Geschäfte und Banken direkt nebenan, ertappte ich mich mittlerweile selbst dabei, recht reisefaul und bequem geworden zu sein. Fast hätte ich sogar die letzten beiden Tagesausflüge nach West Palm Beach und Key West sein gelassen, da es auch in Fort Lauderdale einen langen, tollen Strand, viele Pubs und Bars, zahlreiche ultra-teure und exotische Villen und schöne Wassersträßchen gibt. Wozu also extra an einen anderen Ort fahren, der im Grunde gleichermaßen aussieht und es „Zuhause“ quasi bereits alles hat zum Glücklichsein…?! Und trotzdem bin ich nun sehr froh, mich doch wieder zum Reisen aufgerafft zu haben, den es hat sich gelohnt!!! Mit dem Bus und Tri-Rail-Zug ging es so am Samstag in das 78 km nördlich gelegene West Palm Beach.

Bereits bei der Ankunft in West Palm Beach war dieser reichen Stadt sofort anzumerken, dass sie sich von den bisher besuchten Cities Floridas abhob. Durch das kompakte Stadtzentrum mit vielen kleinen Shops und Bars, gepflasterten und verkehrsarmen Straßen, einen großen Wochenendmarkt und einem Flohmarkt wirkte West Palm Beach sehr europäisch und gemütlich.
Nach einem Spaziergang am langen Ufer und schönem Ausblick auf die Skyline überquerte ich eine Brücke zur vor West Palm Beach liegenden Halbinsel. Am Royal Palm Way reihte sich eine protzige Luxusvilla nach der anderen – alle im Besitz großer und namhafter Banken und Fond-Gesellschaften. Das Anwesen der Deutschen Bank wirkte hingegen der Villen so manch anderer reichen Gesellschaft fast schon ärmlich. Nach einer Stunde Spaziergang wurde der Anblick dieser reichen Villen jedoch zunehmend langweilig und es damit Zeit für einen Mittags-Snack und Besuch des Courthouse Museums zurück ins gemütliche Stadtzentrum zu laufen.

Fahrt zu den Florida Keys

Mit gesamten Gepäck ging es am nächsten morgen früh zur Mietwagenstation am Fort Lauderdaler Flughafen. Für nur 20$ lässt sich hier bereits ein günstiges Auto mieten, sofern man dies früh genug bucht bzw. kostenfrei und unverbindlich unter carrentals.com reserviert. Je nach Mietwagengesellschaft bekommt man für 8$ auch eine Flatrate des sog. Sun Passes zur bequemen Nutzung der gebührenpflichtigen Streckenabschnitten.

7 Mile Bridge nach Key West

7 Mile Bridge nach Key West

Die ca. 300 Kilometer und 4 Stunden lange Strecke zum südlichsten Punkt der USA – nach Key West – führte mit dem  Overseas Highway über 42 Brücken und zahlreiche verschiedene Inseln. Zwar war die Fahrt ganz gemütlich und die Umgebung nett anzusehen, doch besonders faszinierend fand ich die immer gleich gestalteten Brücken und gleich aussehenden Inselchen nicht. Wirklich zusammenreisen musste ich mich, auf den breiten Highway immer schön langsam und mit amerikanischer Gemütlichkeit zu fahren. Bei diesem Schneckentempo von typischerweise 55 bis 65 Mph (max. 110 kmh), oft sogar langzeitig nur 45 mph (70 kmh), hielt mich nur der peppige Radiosender vom Einschlafen ab. Bei einer so gut ausgebauten und relativ verkehrsarmen Strecke, hätte man in Deutschland den reinsten Spaß gehabt! Doch hier geht es leider sogar langsamer zu als in der Schweiz. Immer wieder entdeckt man hingegen Polizeiautos im hohen Gras oder hinter den Büschen versteckt. Ein guter Grund, sich besser dem Tempo anzupassen. Als mich ein Bus bei erlaubten 45 Mph mit 70 Mph überholte, nutzte ich die Gelegenheit, diesem unauffällig zu folgen und ihn als Indikator weiterer Polizeikontrollen zu nutzen.

Key West

Richtig begeistert war ich hingegen von Key West! Zwar wusste ich vorab von den zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten, doch hätte nicht mit dieser Vielfalt dieser Attraktionen und Schönheit des Ortes gerechnet. Key West deckt dabei ein sehr breites Spektrum ab – von den typischen Sehenswürdigkeiten, wie dem Southernmost Point of USA, den Leuchtturm und das Fort Zachary Taylor locken auch die zahlreichen, lebhaften und touristischen Pubs zu einer Erfrischung ein. Auch Historisches und Kulturelles wie das Ernest Hemingway House, das von Harry S Truman häufig genutzte White Little House und das Mel Fisher Maritime Heritage Society & Museum gibt es hier zu erleben.

Southernmost Point of Continental USA / Only 90 Miles to Cuba

Southernmost Point of Continental USA / Only 90 Miles to Cuba

Teilweise kam ich mir in manchen Bereichen der Stadt jedoch vor, als sei ich plötzlich in einem Abenteuerpark gelandet. Die spielerisch und etwas stadtfremd wirkenden Gebäude-Fassaden sowie die Vielzahl der davor vorbei fahrenden Touri-Züge, wirkten wie ein künstlich erbautes Gebiet im Europapark (Freizeitpark bei Rust/Freiburg).

Freizeitpark-Feeling in Key West

Freizeitpark-Feeling in Key West

Doch nicht weit davon, lies sich in einem Park das fast menschenleere Fort Tylor besichtigen und das Meer am direkt daneben liegenden Strand genießen. Um all die interessanten Angebote Key Wests nutzen zu können, ist ein einzelner Tag schon fast etwas knapp aber gerade so ausreichend. Gegen 16/17 Uhr schließen leider bereits die meisten Museen, Parks und Strände. Für mich ohnehin höchste Zeit, mich auf den Rückweg zu machen, um Jean um 21 Uhr Jean vom Flughafen in Miami abzuholen.

Fort Taylor

Fort Taylor

Die rasante Fahrt zurück erlaubt immerhin noch einen kurzen Abstecher auf der 7-Miles-Bridge, um diese während des Sonnenuntergangs zu erleben. Letztlich ist diese aber auch nicht besonders ungewöhnlich und die Fahrt über die Keys erinnert mich sehr an die Gegend Cayo Coco im nur 145 km entfernten Kuba.
Richtig Spaß an der Rückfahrt machte auch der Besuch der Tankstelle!!! Die Spritpreise sind traumhaft und für diese acht Stunden lange Tour nicht mal eine Tankfüllung erforderlich. Bei gerade mal 3,23 US$ pro Gallone (= 63 Euro-Cent je Liter) hatte ich selten ein solches Vergnügen an einer Tankstelle. Das man dazu jedoch außer einer Kreditkarte (zur Vorab-Hinterlegung!) auch eine amerikanische Postleitzahl an der Zapfsäule eingeben muss, war für mich als Ausländer zunächst ungewohnt und auch problematisch. Trotz zugerufenem ZIP-Code eines anderen „Tankers“ wollte das in Kombi mit meiner Kreditkarte nicht ohne Hilfe des Servicepersonals funktionieren…

Mit Jean wieder in Fort Lauderdale angekommen, blieb bei einem kühlen Bier (der Supermarkt hat sogar sonntags bis 23 Uhr geöffnet!) und warmen „Sommerwind“ Zeit, auf dem Balkon den letzten Abend in Florida zu genießen. Zudem erhielt ich vom Reiseexperten Jean zahlreiche, nützliche Tipps für meinen Nicaragua-Besuch und die Weiterreise in Zentralamerika. Da 40% meines Gepäcks nun in Fort Lauderdale blieb, werde ich hier spätestens in einem Jahr wieder vorbeikommen. Auch die von Jean aus Venezuela mitgebrachte Flasche Rum teile und genieße ich am Ende meiner Reise lieber mit Freunden in Deutschland statt sie in Nicaragua alleine zu trinken…

Back in Fort Lauderdale

Um meine Abreise etwas aufregender zu gestalten, stand Jean heute morgen um 8:30 Uhr gemütlich Frühstück bruzzelnd in der Küche – zu diesem Zeitpunkt, an dem ich ihn bereits an der Uni hätte absetzen, mein Leihwagen zurück am Flughafen und ich beim Checkin hätte sein sollen. Nachdem ich vor zwei Jahren mit ihm bereits 3 Minuten nach Closed Boarding noch das Flugzeug für ein Wochenendausflug erreichte und er letzte Woche in letzter Minute seinen Flug nach Venezuela bekam, war das für mich keine Überraschung mehr. Am Flughafen angekommen, konnte ich mich damit immerhin über zwei leckere Wraps freuen, die letzten Postkarten aus den USA schreiben und nun im Flieger meine Erlebnisse der vergangenen beiden Tage festhalten. Der USA-Aufenthalt fühlte sich eher an wie eine „Pause“ von meiner „Welt-/Amerikareise“ und ich bin gespannt auf den „Wiedereinstieg“ mit meiner Reise in Lateinamerika…

Bildergalerien

  • Key West (97 pictures)
  • West Palm Beach (folgt)
  • Ernest Hemingway Musem (folgt)
  • Lighthouse Musem (folgt)

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